2009

Pressestimmen

"Unter Michalkes Regie hat sich das Festival in den letzten drei Jahren spürbar erholt. Wenig musste er dazu verändern. Um die leidige Nachfrage nach den Grenzen des Konzepts auszubremsen, strich Michalke bewusst jede stilistische Festlegung aus dem Festivalnamen und stärkte die Kernkompetenz des Festivals: die Improvisation. ... Michalkes Idee ist es, hier eine «Community» vorzustellen, in der nicht nur musikästhetische Fragen behandelt, sondern auch die Energieströme zwischen Musikern und Publikum neu vermessen und neue Verfahren der Verbreitung der Musik entwickelt werden. So stellt das Moers Festival den jungen New Yorker Bands Projekte gegenüber, die mit ähnlichen Communitys aus der Geschichte des Festivals verbunden sind." Stephan Hentz / Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2009

"Moers bleibt der Fels in der Brandung globalen Musikrauschens. Denn wo andere "Events" bei ihren Versuchen, möglichst exakt den Publikumsgeschmack zu treffen, immer stromlinienförmiger und austauschbarer werden, setzt Reiner Michalke, der künstlerische Leiter des Moers Festival, geradezu radikal auf alte Tugenden intelligenten Programmmachens. Und hat damit auch im Jahr Vier seiner Regentschaft im Schloßpark Erfolg. Sein Geheimnis: Mut zum Wagnis und konsequentes Arbeiten gegen alle Erwartungshaltungen." Sven Thielmann, Westdeutsche Allgemeine, 02.06.2009

"Atemlos ließ der Gitarrist Marc Ribot jenen Jim Morrison-Song voranstürmen, der zum Vorstoß ins Jenseitige, Unbekannte aufruft: "Break on through to the other side"! Und auch die anderen Stücke seiner aktuellen Band "The Ceramic Dog" zeugen vom mutigen, frechen Geist, mit dem Grenzen von Genres und Konventionen niedergerissen werden, eben die Pforten zum Unbekannten aufgestoßen werden- für so etwas kam die aktuelle Festival-Ausgabe mit vergleichsweise wenig großen Namen aus,bot dafür eine endlose Schar spannender Neuentdeckungen. Und es rockte gewaltig in Moers 2009. Natürlich nie ohne das ständige Hinterfragen und Weiterdenken von Stilelementen und Ausdrucksmöglichkeiten. Die Konventionen des Musikgeschäfts gehören dabei fröhlich ignoriert." Stefan Pieper / Neue Musikzeitung, 02.06.2009

"In der Tat glichen die vier Tage diesmal einer kathartischen Erfahrung: überraschend bis genial, anstrengend und anregend, aber vor allem endlich einmal neu war das, was dort zu sehen und zu hören war .... In der schier unüberschaubaren Landschaft der Jazzfestivals hat sich Moers 2009 jedenfalls als große Ausnahme von der Regel bravourös behauptet und ein warnendes "Lasst euch nicht verführen!"-Schild in die Landschaft gesetzt. Es gelang der große Spagat am Niederrhein, nämlich einerseits die alten Querköpfe nicht zu vergraulen und gleichzeitig vielen jungen, unbekannten Talenten eine große Bühne zu bieten, auf der sie jeweils fünfzig Minuten lang ein breites Spektrum ihrer Kreativität zeigen konnten. Nach der Moers-Ausgabe 38 kann man den alten Spruch jedenfalls auch umdrehen und behaupten: "Move your head and your ass will follow!" Karl Lippegaus / Süddeutsche Zeitung, 03.06.2009

"An den vier Tagen in Moers war das Erforschen differenzierter Ausdrucksmöglichkeiten permanent zu beobachten. Man tauchte ein in eine Welt schier unerschöpflicher Klangfantasien, geschaffen aus Musik von unterschiedlichen Teilen der Erde: vom Norden Europas über Südamerika, Japan, Korea bis nach Mali. Und natürlich den USA. ... Die amerikanischen Bands einer noch frischen Szene aus New York markierten so etwas wie einen Schwerpunkt. Damit folgte das Festival auch der langen Tradition, das gesamte Umfeld einer Community zu präsentieren." Martin Woltersdorf / Kölner Stadt-Anzeiger, 03.06.2009

"Reiner Michalke ist das Risiko eingegangen, eine sich neu formierende Musiklandschaft - nennen wir sie Jazz oder nicht - in einem relativ frühen Entwicklungsstadium zu präsentieren. Er gewährte uns einen Blick ins Schlangenei, um Zeugen einer beginnenden Metamorphose zu werden.Moers war in diesem Jahr ein Bekenntnis zur Transformation. Ob es in dieser Hinsicht ein guter Jahrgang war, werden wir frühestens in zwei bis drei Jahren wissen. Auf jeden Fall ist es dem künstlerischen Leiter von Moers gelungen, den eingeschlafenen Jazz-Diskurs wieder anzuheizen." Wolf Kampmann / Frankfurter Rundschau, 05.06.2009

"Mit dem deutlich jüngeren Publikum hat das moers festival ein Ziel erreicht, von dem viele Veranstalter träumen. Der Zuhörernachwuchs ist gesichert, die "Jungen" strömen zu jedem Auftritt ins Zelt, sind hungrig, wollen alles mitnehmen. Das Zelt ist voll und von dieser tollen Stimmung profitieren die Musiker. Moers hat den Umbruch geschafft, es zog ein neues Publikum an, in dem Jahr, in dem die neue Generation Jazz&Improvisation auf der Bühne stand. Reiner Michalke wird für die 39. Ausgabe an Pfingsten 2010 auf sie setzen können: Sie werden kommen, denn Moers heißt spannende, experimentierfreudige Musik hören, Weltoffenheit erleben und neben dem individuellen die Vorteile des solidarischen Lebens, einer "Community", zu sehen." Denzerwerk / Stadtpanorama Moers, 03.06.2009)