Pressestimmen 2011

40 Jahre und kein bisschen weise
Überraschend und provokant wie immer: Das Moerser Jubiläums-Festival
14. Juni 2011, NRZ/Der Westen.de, von Sven Thielmann
Wer seinen 40. Geburtstag feiert, ist gemeinhin aus dem Gröbsten raus und im gesetzten Alter. Doch auch nach vier Dekaden einer wechselvollen Geschichte, in denen sich das "Moers Festival" als eines der bedeutendsten Jazz-Treffen weltweit einen glänzenden Namen erarbeitet hat, ist von brav-bürgerlicher Wohlanständigkeit wenig bis nichts zu spüren.
Dafür sorgt mit spürbarer Lust an musikalischen Provokationen seit nunmehr sechs Jahren Reiner Michalke, der das große Erbe von Festivalgründer Burkhard Hennen erfolgreich ins 21. Jahrhundert überführt und für neue, jüngere Hörerschichten geöffnet hat. Souverän begegnete der gewiefte künstlerische Leiter in diesem Jahr der Herausforderung, an erstmals nur drei Tagen im riesigen Festivalzelt des Moerser Schlossparks ein rundum stimmiges Programm zu präsentieren.

Ewiges Feuer
Beim 40. Moers Festival für Improvisierte Musik trat überraschend Ornette Coleman auf - eine seltene Begegnung mit dem Erneuerer des Jazz
14. Juni, Süddeutsche Zeitung, von Karl Lippegaus
Es war vor seinem Auftritt merkwürdig still geworden im riesigen, ausverkauften Zirkuszelt. Erst am Tag zuvor hatte die Festivalleitung den überraschenden Auftritt angekündigt und das Jubiläumsprogramm geändert ... Und da ist es plötzlich wieder, das alte Moerser Indianergeheul, das man so lange nicht gehört hatte. In den vergangenen Jahren wurde in Moers vieles freundlich beklatscht, Buhrufe gab es selten, aber dieses frenetische Jubeln, das einst den freien Eruptionen von Peter Brötzmann, Han Bennink oder Anthony Braxton galt, war allmählich höflichem Kennerapplaus gewichen. Ornette brachte das Feuer nach Moers zurück.

Musik total
Mit dem 40. Jahrgang überwindet das Moers Festival seine Grenzen
16. Juni 2011, Frankfurter Rundschau, Wolf Kampmann
Dem Anlass entsprechend richtete Michalke den Blick zugleich nach vorn und hinten. Zu den stilistischen Konstanten des MoersFestivals, das ja ursprünglich New Jazz Festival Moers hieß, gehörte über viele Jahre Ornette Colemans harmolodisches System, das auf der Gleichberechtigung aller Komponenten eines musikalischen Kontextes beruht und sich um 1980 im Free Funk entlud.
In umgekehrter Chronologie erzählten drei amerikanische Bands die Geschichte der Harmolodics von den Anfängen bis heute ... Moers 2011 war kein Fest für Jazzpuristen. Doch Reiner Michalke ist es einmal mehr gelungen, dem Jazz neue Horizonte zu erschließen. Es war eine dreitägige Sinfonie der Innovationen, Grenzüberschreitungen und emotional ergreifenden Momente.

Inspirierende Notengewitter
Das Moers Festival überzeugte anlässlich seiner 40. Ausgabe mit Neuheiten
15. Juni 2011, Der Standard, von Andreas Felber
[...] und es war kein Zufall, dass dieses die Eröffnung des Moers Festivals bestritt: Denn das 1972 gegründete Event in der "kleinen Großstadt" Moers im Westen des Ruhrgebiets, Europas wohl bedeutendstes Festival für zeitgenössische Improvisationsmusik, stand 2011 durchaus im Zeichen der Finanzkrise: 15 Prozent des sich zuvor auf rund eine Million Euro belaufenden, von der Stadt bereitgestellten Budgets mussten eingespart werden, was eine Festivalverkürzung von vier auf drei Tage bedeutete. Die entdeckungsfreudige Grundausrichtung blieb jedoch unangetastet, wie das mit Neuheiten gespickte Programm demonstrierte.

Subtil und wuchtig
Zwischen Archaik und ausgefeilter Kunsttechnik: Das 40. Moers-Festival
16. Juni 2011, Junge Welt, von Michael Rieth
Fazit: Diese 40. Jubiläumsausgabe des Moerser Festivals war in ihrer Bandbreite eine gelungene, auch wenn das Reh, das als Logo fungiert, dem Besucher (und dem Jazz?) das Hinterteil zukehrt.

40 Jahre Moers: Sternstunde mit Ornette Coleman

14. Juni, dpa, von Andreas Schirmer
Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage ist es Michalke auch bei der 40. Auflage gelungen, mit Fundstücken aus der Welt der Avantgarde, Querdenker und Querulanten Hörgewohnheiten aufzubrechen, anzuecken, zu begeistern und zu enttäuschen.

Vom neuen Idealismus geprägt
14. Juni 2011, Kultur und Visionen, von "Hei"
Von Jahr zu Jahr zieht das internationale Jazzfestival von Moers Fans aus ganz Deutschland und dem nahen Ausland an den Niederrhein. In seiner langjährigen Geschichte hat sich das Festival zum wichtigsten Treffen der Jazzwelt entwickelt.

Moers Festival 2011 überzeugt Kritiker und Besucher
14. Juni 2011, musiktipps.com, von Whykiki
Am vergangenen Pfingstwochenende gab es in Moers das 40. Moers Festival und erstmals gelang es, dass das Festivalzelt an allen Festivaltagen ausverkauft war. Von Freitag bis zum Sonntag strömten mehr als 10.000 Menschen zu den Konzerten im Moerser Stadtpark. Bei Besuchern und Kritikern kam vor allem das Programm sehr gut an. Leiter Michalke bewies bei der Auswahl wieder ein glückliches Händchen [...]
Aber zum Glück ist auch das Moers Festival im kommenden Jahr gesichert, obwohl die Moerser CDU schon länger versucht es wegzurationalisieren. Es dürfe auf Grund des Haushalts in Moers keine heiligen Kühe geben…

Die Magie der Augenblicke
15. Juni 2011, Kölner Stadt-Anzeiger, von Martin Woltersdorf
Das Moers-Festival feierte sein 40-jähriges Bestehen mit vielen alten Bekannten und über 10.000 Besuchern. Zum Abschluss eines hochkarätigen Programms trat eigens aus Anlass des Jubiläums Jazz-Legende Ornette Coleman auf. Es sind die Gegensätze, die diese Veranstaltung so anziehend machen. Das war immer schon der Fall, jetzt und in all den Jahren zuvor. Gegensätze, die sich an Personen ausrichten, an Stilen, an Genres, ja, an der Musik überhaupt. Wer über Pfingsten nach Moers kommt zum traditionellen Festivaltermin, der muss auch eine Menge Entdeckungslust mitbringen. Und er muss damit rechnen, dass nicht jede Innovation seine Erwartungen erfüllt. Außerdem kann sich jeder, wenn er will, Schwerpunkte aus der Programmvielfalt ziehen. Diese sind jedoch letztlich lediglich Puzzlestücke in einem Gesamtbild.

Ein großer Schritt
14. Juni 2011, NZR/WAZ, von Gabi Gies
Nach diesen Tagen einmal tief durchzuatmen ist erlaubt. Es gab viel zu stemmen bei diesem, dem 40. Moers Festival. Weniger Geld, ein neues Konzept für den Außenbereich, kulturpolitische Scharmützel und dann auch noch in letzter Minute die Absage von Helge Schneider. Und so schienen Festivalleiter Reiner Michalke und Moers Kultur GmbH-Geschäftsführer Ulrich Greb am Ende beinahe selbst überrascht, dass das Festival trotzdem eine rundum gelungene Sache war. Dass das Festival vor dem Hintergrund der schiefen Haushaltslage neu aufgestellt werden musste, war klar. Dass das unter Zeitdruck gestrickte Konzept direkt im ersten Jahr so gut aufgeht, eine freudige Überraschung.
Für Reiner Michalke sicher mit ein Grund dafür und Motivation genug, den vierten Festivaltag wieder zurückerobern zu wollen. Und das vielleicht schneller, als manch einer denkt. Denn wie heißt es am Ende der vom Moers Festival verfassten Presseerklärung zum Abschluss des Festivals: „Das Moers Festival 2012 findet am Pfingstwochenende vom 25. bis 28. Mai statt.“ Und das sind - ordentlich gezählt - vier Tage ... Wie die aussehen könnten, ob mit oder ohne Helge, mit oder ohne „Open House“ – da sollte die Moerser Politik getrost den Protagonisten Vertrauen schenken. Wenn der erste Schritt auf einem langen Weg so trittsicher ist, dann werden es auch die nächsten sein.