Vorwort zum moers festival 2011

Seit seiner Gründung im Jahr 1972 hat das Internationale New Jazz Festival in Moers schon vielen Stürmen getrotzt. Doch im vergangenen Jahr befand es sich in seinem bisher schwierigsten Überlebenskampf. Die Finanzkrise war mit voller Wucht in Moers angekommen und das Festival stand, wie viele andere "freiwillige Leistungen" auch, auf dem Prüfstand. In vielen Gesprächen wurde schließlich ein Kompromiss gefunden, der das Festival nicht in seiner Substanz gefährdet. Die wichtigsten Veränderungen: Der internationale Teil des Festivals wird auf drei Tage reduziert, und der vierte Tag wird zu "Helge's Heimatabend", an dem Helge Schneider Künstler aus der Region vorstellt.

Dass ein solch ambitioniertes Festival jetzt zum 40. Mal zu Pfingsten über die Bühne gehen kann, ist alles andere als selbstverständlich. Dies ist in allererster Linie den Moerserinnen und Moersern zu verdanken, die sich seit Jahren und Jahrzehnten für die Kunst und Kultur in ihrer Stadt einsetzen und Moers damit zu DER Kulturstadt am Niederrhein gemacht haben.

Im Verhältnis zu dieser Leistung einer modernen Stadtgesellschaft ist meine Rolle als Programmmacher vergleichsweise einfach. Meine Aufgabe konzentriert sich darauf, aus dem, was Musikerinnen und Musiker überall auf der Welt an aktueller Musik anbieten, ein Programm für dieses seit Jahrzehnten herausragende Festival zusammenzustellen. Und so werfen wir mit der 40. Festivalausgabe einen Blick auf eine neue Szene junger schwarzer Musiker in den USA, stellen Projekte von Künstlern aus Japan, Senegal, Island, Norwegen, Holland, Dänemark und dem Ruhrgebiet vor, und wir laden ein zum Tanz mit Musikern aus Kolumbien, Cuba und Nigeria.

Dabei werden – wie es sich für eine Jubiläumsausgabe gehört – nicht nur neue, sondern auch alte Helden auf der Bühne des Festivalzeltes stehen. Und es sind gerade die alten Helden, die beweisen werden, wie weit das moers festival in all den Jahrzehnten immer seiner Zeit voraus war.

Auch in diesem Jahr gibt es mehr als genug Gründe Dank auszusprechen: unseren Partnern und Sponsoren, die das Festival tatkräftig unterstützen, den Musikerinnen und Musikern für ihre beständige Schaffenskraft und vor allen Dingen Ihnen, dem Publikum, das sich immer wieder neugierig auf das Abenteuer Moers einlässt. Mein ganz persönlicher Dank gilt aber den Kulturarbeitern in Moers, ohne deren Engagement unsere Welt ein deutliches Stück ärmer wäre.

Reiner Michalke
Künstlerischer Leiter