26.5.2017: moers festival-Newsletter

Liebes moers festival - Publikum,

Das ging jetzt aber wirklich sehr schnell. Eines kann ich für 2018 schon vorwegnehmen: Unser gesamtes Team freut sich sehr darauf, nächstes Jahr mehr Zeit zu haben für - - - Alles!

Wenn ich mich jetzt umdrehe und auf die letzten knapp sechs Monate zurückschaue, sehe ich, dass wir hier einen richtigen Neustart gemacht, fast ein neues Festival kreiert haben.

Wenn wir von Tag zu Tag nach vorne schauen, haben wir immernoch das Gefühl, dass wir weitere vier Wochen gut gebrauchen könnten.

Obwohl wir als „moers festival Team“ beim diesjährigen Moerser Schlossparklauf gut abgeschnitten haben (yeah, Hendrik – geiles Solo!), mussten wir auf der Zielgeraden zum Festival noch einige Hürden nehmen: Vor der „Maison Schengen“ in Kinshasa campierten und bangten Musiker tagelang (wir im Ostring 9 übrigens auch!), weil die termingerechte Erteilung der Visa immer unwahrscheinlicher wurde. Ein Kyae-Waing, eine Likembe Ekuba oder ein E-Claviorganum sind Musikinstrumente, die man auch nicht „mal eben“ in Holderberg oder Berlin ausleihen kann. Und dass wir kurzfristig noch den einen oder anderen Spielort wechseln mussten, hängt unter anderem mit partout nicht fertig werdenden Kirchenorgeln zusammen.

Fluchttiere und Brandlasten

Auch wenn wir darüber traurig sind, dass ein abgestellter Flügel in Deutschland zunächst einmal eine Brandlast darstellt, ein Pferd per Definition ein Fluchttier ist (also: leider kein Freigetränk, Cowboys – bitte nehmt den Drahtesel!) sind wir doch sehr froh, dass die Kolleg*inn*en der Polizei, Feuerwehr und Bauaufsicht so gewissenhaft auf jede unserer kreativen Ideen schauen. Seit dem schrecklichen Blutbad im Bataclan Paris ist klar, dass auch Konzerte und kulturelle Veranstaltungen zu den Zielen von Hassenden gehören. Eine hundertprozentige Sicherheit kann es aber nicht geben, es sei denn, wir bleiben alle Zuhause. Und seit den schrecklichen Sekunden von Manchester ist das Thema wieder ganz oben in unserem Bewusstsein. Lassen Sie uns, lasst uns unser Festival zelebrieren, auch, wenn wir nun unsere Taschen freiwillig an der Türe zeigen werden – ich sehe es als Zeichen des Mitgefühls und der Stärke.

Da wir nun auch mehr Ordner, Einlasspersonal etc. benötigen, möchte ich hier noch einmal nach Freiwilligen und Volunteers rufen. Bitte an info@moers-festival.de  Danke vorab!

Die Vorfreude auf alles, was uns Pfingsten 2017 auf dem Festivalgelände, in der Festivalhalle, im Park und in der Moerser Innenstadt erwartet , ist mittlerweile riesig! Es war während der letzten Wochen sehr motivierend, so viel Unterstützung aus der Stadt zu bekommen, eine neue Offenheit zu erleben. Dabei ist ein Gesamtprogramm entstanden, das in seiner Breite, Unberechenbarkeit,  Dichte und einem Spannungsbogen zwischen Moers-Tradition und hoffentlich Unerhörtem so noch nicht am Niederrhein zu erleben war. Niemand wird alles sehen, hören oder erleben können und man wird sich nachher verschiedene Geschichten erzählen ... 

Unter www.moers-festival.de/programm/programmuebersicht/ kann sich jeder sein eigenes moers festival zusammenstellen.

Meine Empfehlungen?

Die moers sessions von Jan Klare! (Rathaus, Musikschule, Die Röhre, Nepix Kull open air, Peschkenhaus und Aula Filder Benden) Jan hat mir schon verraten, wer da bisher mit wem...

Die discussions von Thorsten Töpp! Ost/West, Vokal/Text, blind-dates, Auskomponiertes/frei Improvisiertes. Die Projekte mit Filmen, „Philm“ oder Live-Zeichner?

Die kleinen Überraschungen in den moersifizierten Geschäften in der Innenstadt, die Europapremiere von Ingrid Laubrocks „Vogelfrei“, ihre Weltpremiere der „Contemporary Chaos Practices“ in Moers (Ja! Das ist unsere große Auftragskomposition 2017). Mit dem EOS Orchester, den Kölner Vokalsolisten und US-Solisten. 50 Musiker*innen auf der Bühne! Die „Talibam!“ mit etwa sechs Auftritten -  immer da, wo man sie nicht erwartet. Und Frank Stanzl dann jetzt eben an der katholischen Orgel ...

Der Blick nach Flandern und in die Niederlande, die in Moers erst entstehenden Exklusivauftritte von „Radio Kinshasa“ mit Musikern aus dem Kongo, Weißrussland und Deutschland, fun medicine?, Carolin Pook mit den Spacepiloten, die burmesische Geisterzeremonie „Nat Pwe“, Anthony Braxton mit zwei Harfen ..., die Spieluhren, der Soundwald, die Kinderfarm, Mette und die Punks,  die lauten Schwäne, der singende und Gitarre spielende Spitzentrommler, Musik und Schafe, Hühner – draußen für die Kids, die alten Tonbandmaschinen im Peschkenhaus, die Solokonzerte von den Tastenspielern: Frank Stanzl, Ethan Iverson, ELEW, Dorian Wood (aber natürlich auch die Bandgigs), die fünf Brasilianer des „Satanique Samba Trio“,  die Eidbrecher, die Isländer, Familie Kornblum,  knu!, KUF, die DJ-Insel der ewig-moers-Gestrigen – und natürlich das improviser-Projekt 2017 von John-Dennis Renken.

In der Halle wird es Neues zu entdecken geben. Für Fahrradfahrer eine große Fahrradweide an der Eishalle mit Gattern. 

Wem das alles zuviel ist:

Der Verein (in Gründung) „Wege aus dem Jazz“ lädt zum Erfahrungsaustausch am Pfingstmontag um 20:00 Uhr in „Die Röhre“.  Wege aus der Sucht, Aussteiger*innen erzählen. 

Also, entweder wir sehen uns auf einer der kommenden Vereinssitzungen im Herbst oder bald auf dem moers festival 2017!

Herzlich (und ein wenig aufgeregt)
Tim Isfort