Interview mit der improviser in residence 2018

Josephine Bode

moers festival: Du lebst in der Metropole Amsterdam. Wie siehst du einem Jahr in der kleinen Großstadt am Niederrhein entgegen?

 

Josephine Bode: In einer Großstadt wie Amsterdam kann man jeden Tag Kunst und Kultur auf extrem hohem Niveau erleben. Jeden Tag gibt es Einladungen zu Ausstellungen, Konzerten, Experimenten und überall trifft man Gleichgesinnte, mit denen man interessante oder komische Gespräche führen kann. Amsterdam ist nicht nur eine wunderschöne Stadt, sondern gerade dieses Klima des „etwas machen Wollens“ ist extrem motivierend.
Mittlerweile bin ich aber an einem Punkt angelangt in meinem Leben, an dem ich mich immer häufiger nach Ruhe sehne. Sowohl im Leben, als auch in meiner Musik. Aus der Ruhe und Stille arbeiten, das wünsche ich mir in Moers. Außerdem bin ich sehr gespannt, wie es nach 15 Jahren im Ausland ist, wieder einmal  länger in Deutschland zu sein.

 

moers festival: Du warst im Jahr 2017 schon als Künstlerin beim moers festival zu Gast. Wie ist dein Bezug zur Stadt Moers und zum moers festival?

 

Josephine Bode: Letztes Jahr war ich das erste Mal beim moers festival. Im Jahr davor war ich schon einmal kurz in Moers mit dem Burma Bebop Projekt, da habe ich Moers als gemütliche und übersichtliche Stadt erfahren, in der man sich schnell zurecht findet. Vieles hat mich auch an Münster erinnert, die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. 

Das moers festival habe ich sehr intensiv erfahren. Viel tolle Musik und Klänge, Gespräche und unerwartete Wiedersehen mit alten Kollegen. Künstler auf höchstem Niveau, Backstage ein familiärer Vibe und seien wir mal ehrlich, wo sonst stehen und sitzen 1000 Menschen mucksmäuschenstill und hören sich eine Stunde improvisierte experimentelle Musik an? Ein wunderschönes und Hoffnung bringendes Erlebnis!

 

moers festival: Was verbindest du mit Moers? Hast du dir schon einen Eindruck von der Stadt gemacht?

 

Josephine Bode: In den letzten Wochen bin ich einige Male nach Moers gefahren, um ein Gefühl für die Stadt und ihre Menschen zu bekommen. Ich war im Theater und in einigen Restaurants, habe die Kirchen und den Park besucht und bin einfach durch die Gegend geschlendert. Vieles ist mir hierbei aufgefallen und daraus sind viele Ideen für das nächste Jahr entstanden. Um ehrlich zu sein, schon viel zu viele. 

 

moers festival: Was hast du dir für dein Jahr als Improviserin vorgenommen?

 

Josephine Bode: Wir leben in einer sehr visuellen Welt, in der Audio meist eine untergeordnete Rolle spielt. Gleichzeitig hat kaum ein anderes Medium eine so direkte Verbindung zu unserem Unterbewusstsein und unseren Emotionen. Gleichzeitig mache ich mir Gedanken, was für eine Funktion ein Künstler innerhalb einer Gesellschaft haben kann. Ich möchte gerne Menschen die Ohren öffnen. Ein klein wenig ablenken vom täglichen visuellen Overflow, hinein in die Welt der Klänge, ins Unbewusste, in die Welt, in der Gegensätze neben- und miteinander ganz natürlich existieren. 

 

moers festival: Welche Künstler und Projekte wirst du als Gäste nach Moers einladen?

 

Josephine Bode: Eine genaue Jahresplanung steht noch nicht fest, aber ich werde viele meiner Ensembles und „partners in crime“, mit denen ich auch in Amsterdam arbeite, nach Moers bringen. Unter anderem die Post-Pop-Art-Rock-Band Jerboah, mein Blockflötentrio aXolot, das Dark-Ambient-Techno-Trio Rutger Muller Ensemble und mein Research-Ambient-Duo The KEWIs und den Lichtkünstler Vladimir Grafov. Daneben habe ich eine Wunschliste mit Künstlern, mit denen ich schon immer einmal zusammenarbeiten wollte. 

 

moers festival: Was möchtest du in der Stadt unbedingt ausprobieren? Gibt es etwas, worauf du dich besonders freust?

 

Josephine Bode: Ehrlich gesagt freue ich mich auf das gesamte Jahr! Es ist fantastisch zu wissen, ein Jahr lang eine ganze Stadt als Spielfläche zu haben und ein tolles Team von Leuten, mit denen man die verrücktesten Ideen realisieren kann. Eine konkrete Idee ist, dass ich gerne meditative Konzerte geben möchte. Auch bin ich sehr neugierig, wen ich alles in Moers kennenlernen werde und was sich aus diesen Treffen ergeben wird! Ich sehe dem ganzem Jahr mit Lust, Passion, Energie und vor allem mit großer Neugier entgegen.

 

 

Pressekontakt moers festival
Eva Marxen, eva.marxen@moers-festival.de, Tel: 0177 689 39 14