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Morton Feldman - Crippled Symmetry (1983)

Melancholie des Verschwindens

Isabelle Raphaelis (fl), Ling Zhang (perc), Yuheng Chen (p/cel)

Ev. Stadtkirche Moers

Morton Feldmans Crippled Symmetry dauert rund anderthalb Stunden und bewegt sich fast durchgehend im Bereich von piano bis pianissimo. Für Flöte (auch Bassflöte), Vibraphon, Glockenspiel, Klavier und Celesta entsteht eine fragile Klangwelt: Töne erscheinen, wiederholen sich, zerfallen und kehren verändert zurück.

Das Werk basiert auf kleinen Patterns, die verschoben, gespiegelt und asynchron geschichtet werden. Symmetrien entstehen nur flüchtig und lösen sich wieder auf. Statt dramatischer Entwicklung entfaltet sich ein gleichmäßiger, zeitenthobener Fluss. Feldman komponiert dabei weniger systematisch als intuitiv, indem er Muster kombiniert und auf das klingende Material reagiert.

Für die Hörenden ergibt sich ein kontemplatives Erlebnis: ein feines Gewebe aus Wiederholung und minimaler Veränderung, das Aufmerksamkeit auf kleinste klangliche Details lenkt.


Im Zentrum eines besonderen Konzertformats beim moers festival 2026 steht das Werk von Morton Feldman, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. In einem zeitlich entgrenzten Setting – vom späten Abend bis tief in die Nacht – erklingen zentrale Werke wie „Rothko Chapel”, Two Pieces for Cello and Piano und weitere Werke. Diese lange, stille, jazzfreie Aufführung nutzt die Kraft von Langsamkeit und Raum: Durch mehrkanalige Klangübertragungen entsteht vor der Hauptbühne ein fragiles, sich im Raum verteilendes Klangfeld. Das Publikum kann frei wandern, Klangpositionen erkunden, sich verlieren – im Anschluss an Rothko Chapel auch in Kirchen, Parks, auf dunklen Wegen. Die “Melancholie des Verschwindens“ wird physisch erfahrbar: Die Musik löst sich auf, der Raum versinkt in Stille, die Zuhörenden bleiben mit ihren Assoziationen allein.

Feldmans Musik – geprägt von Schwebe, Ruhe und der Abwesenheit von Dramaturgie – eröffnet mikroskopische Klangräume, in denen Zeit sich dehnt und Bedeutung sich auflöst. Wie in Rothkos Gemälden wird Klang zum Zustand, zur Fläche, zur Dauer. Das Programm „Melancholie des Verschwindens“ ist 2026 eine Einladung zum kontemplativen Hören und zum Eintauchen in eine andere, traumhafte Wirklichkeit.


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