Ihr habt die Interviewfragmente mit György Kurtág Pfingsten auf dem riesigen moersphone 55 air verpasst? Dann habt ihr jetzt die Gelegenheit, sie auf euren bekümmerlichen Smartphones nochmal zu sehen!
Im Rahmen des moers festivals 2026 wurde dem Komponisten und Pianisten ein Themenschwerpunkt gewidmet (Fin de Partie): Fragmente und Miniaturen aus seinem Werk zogen sich dabei durch das Programm. Der Meister der Stille und Verdichtung konnte das Festival selbst leider nicht besuchen, jedoch sein Sohn György Kurtág Jr., der mit dem Moment's Notice Trio feat. Kornél Fekete-Kovács einen einzigartigen Konzertmoment schuf.
György Kurtág ist am 19. Februar 2026 einhundert Jahre alt geworden. Tim Isfort hat ihn vor dem 55. moers festival in Budapest besucht und ihm einige Fragen gestellt. Im Budapest Music Center beantwortete der Perfektionist, Minimalist, Ideenverschwender, liebenswerte Verzweifler und schüchterne Anarchist die Fragen auf seine ganz besondere Art - überlegt, leise und mit tosender Stille.
Danke György, du bist wunderbar!
György Kurtág zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten Komponisten der zeitgenössischen Musik.
Geboren 1926 im rumänischen Lugoj (Lugos), studierte er nach dem Zweiten Weltkrieg in Budapest Klavier, Komposition und Kammermusik, wo eine lebenslange, tiefe Freundschaft mit György Ligeti begann. Er erlebte den Ungarischen Volkaufstand 1956, reiste nach Frankreich aus und kehrte wieder nach Ungarn zurück - dort lebte und arbeitete er während der kommunistischen Ära. Ein Studienaufenthalt in Paris Ende der 1950er-Jahre wurde für ihn zum künstlerischen Wendepunkt: Hier fand er, unter anderem auch durch das Studium der Werke von Webern und Beckett, zu seiner ganz eigenen, unverwechselbaren musikalischen Sprache. Und er hat sie alle kennengelernt: Milhaud, Messiaen, Boulez, Schönberg und viele mehr. Und seine spätere Frau, die Pianistin Márta Kurtág - die Stechardin, wie sie in seiner neuen Oper liebevoll heißt.
Kurtágs Musik ist radikal verdichtet. Berühmt ist er für seine Miniaturen und Aphorismen – Kompositionen von oft extrem kurzer Dauer, die jedoch eine immense emotionale Expressivität und existenzielle Tiefe besitzen. Seine jahrzehntelang fortgeschriebene Sammlung Játékok (Spiele) für Klavier ist längst ein Meilenstein der Moderne. Neben unzähligen internationalen Auszeichnungen (darunter der Ernst von Siemens Musikpreis und der Grawemeyer Award) feierte er 2018 mit seiner ersten Oper Fin de partie (nach Samuel Beckett) an der Mailänder Scala einen späten Triumph. Und völlig zurecht ist auch der Asteorid 550942 nach ihm benannt!
Der Programmschwerpunkt zu György Kurtág wurde gefördert durch die Kunststiftung NRW - vielen Dank!
