St. Josef
24. Mai 2026 um 23:55
Morton Feldmans Werk Piano and String Quartet gehört zu seinen späten, großformatigen Kompositionen und dauert rund 80 Minuten. In extrem leisen Dynamiken entfaltet sich eine fragile Klangwelt aus wiederholten, leicht variierten Mustern. Klavier und Streichquartett agieren dabei weniger dialogisch als mit- sondern vielmehr nebeneinander – wie schwebende Klangflächen. Entschleunigte Zeitwahrnehmung und die subtile Veränderung im Detail lenken den Fokus auf Hören als intensiven, meditativen Prozess.
Im Zentrum eines besonderen Konzertformats beim moers festival 2026 steht das Werk von Morton Feldman, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. In einem zeitlich entgrenzten Setting – vom späten Abend bis tief in die Nacht – erklingen zentrale Werke wie „Rothko Chapel”, Two Pieces for Cello and Piano und weitere Werke. Diese lange, stille, jazzfreie Aufführung nutzt die Kraft von Langsamkeit und Raum: Durch mehrkanalige Klangübertragungen entsteht vor der Hauptbühne ein fragiles, sich im Raum verteilendes Klangfeld. Das Publikum kann frei wandern, Klangpositionen erkunden, sich verlieren – im Anschluss an Rothko Chapel auch in Kirchen, Parks, auf dunklen Wegen. Die “Melancholie des Verschwindens“ wird physisch erfahrbar: Die Musik löst sich auf, der Raum versinkt in Stille, die Zuhörenden bleiben mit ihren Assoziationen allein.
Feldmans Musik – geprägt von Schwebe, Ruhe und der Abwesenheit von Dramaturgie – eröffnet mikroskopische Klangräume, in denen Zeit sich dehnt und Bedeutung sich auflöst. Wie in Rothkos Gemälden wird Klang zum Zustand, zur Fläche, zur Dauer. Das Programm „Melancholie des Verschwindens“ ist 2026 eine Einladung zum kontemplativen Hören und zum Eintauchen in eine andere, traumhafte Wirklichkeit.
